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Geschichte

Geschichtliche Übersicht von Omega-3

1923 : Entdeckung des Vitamins F

 

1923 entdecken die amerikanischen Wissenschaftler Burr und Evans, dass bei Ratten, die keine mehrfach ungesättigten Fettsäuren mehr enthalten, zahlreiche Störungen auftreten. Es entsteht der Begriff der essentiellen Fettsäuren. Evans, der bereits am Vitamin A gearbeitet hatte, nennt diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren Vitamin F, da es sich hierbei um für die Funktion des Organismus unerlässliche Substanzen handelt, die der tierische Organismus jedoch nicht herstellen kann.

 

1930 : Unterscheidung zwischen Omega-3 und Omega-6

 

Ein wenig später entdeckt Burr, dass bei Linolsäuremangel die Gabe von Alpha-Linolensäure die Situation nicht wiederherstellt und umgekehrt. Es gibt somit kein Vitamin F sondern zwei Gruppen essentieller Fettsäuren: aus Alpha-Linolensäure entstandene Omega-3-Fettsäuren und aus Linolsäure entstandene Omega-6-Fettsäuren (diese Fettsäuren verdanken beide ihre Vorsilbe ‚Lin' dem Leinsamen, aus dem sie gewonnen wurden (Burr and Burr 1929; Burr and Burr 1930)).

 

Seitdem steigt das Interesse der Forscher für diese Fettsäuren und die Entdeckungen häufen sich. Dieses Phänomen wird durch die seit 1930 zu diesem Thema verzeichneten über 500 Literaturverweise anschaulich illustriert.

 

Die Jahre 1980 : die Epidemiologie

 

Die ersten Beobachtungen, die eine Verbindung zwischen Omega-3-Fettsäuren und Herz-Kreis-/Kreislauferkrankungen herstellen, gehen auf die 70er Jahre zurück.  Die Abwesenheit von Herzproblemen bei den Eskimos führt einen dänischen Epdemiologen auf die Spur der Omega-3-Fettsäuren des Fisches (Kromann und Green 1980). So ist bei den Eskimos aus Grönland, die sehr viel langkettige Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA) in Form von Fischen, Seehunden und Walfett zu sich nehmen der Herzinfarkt unbekannt, während ihre nach Kopenhagen emigrierten Verwandten die gleichen Gesundheitsprobleme kennen, wie ihre dänischen Nachbarn (Bjerregaard und Dyeberg 1988).

 

Die Sieben-Länder-Untersuchung schließlich zeigt die Originalität der Kreta-Diät auf. Sie enthält zahlreiche Omega-3-Quellen und scheint in engem Zusammenhang mit der Rekordlebenserwartung der Inselbewohner zu stehen. Weitere Daten weisen darauf hin, dass die hohe Lebenserwartung der Japaner unter anderem in Zusammenhang mit ihrem bedeutenden Verbrauch von Raps, Soja und Fisch (Hirai, Terano et al. 1989; Kagawa, Nishizawa et al. 1982) zusammenhängt.

 

1982 : Nobelpreis: Die Rolle der Eicosanoide

 

Burr et Evans hatten dies Auswirkungen eines Mangels an essentiellen Fettsäuren aufgezeigt. Die Erklärung jedoch der Verbindung zwischen einem Mangel an essentiellen Fettsäuren und den Symptomen dieses Mangels  brachte den Schweden Bergstrom und Samuelsson sowie dem Briten Vane im Jahr 1982 den Nobelpreis.  Sie haben die wichtige Rolle der Eicosanoide für den Organismus als Moleküle mit hormonähnlicher Wirkung nachgewiesen:  Zellvermittlerstoffe wie Prostaglandine, Prostazykline, Thromboxane, Leucotriene, die die Immunität des Organismus, die Blutgerinnung, den Entzündungsprozess, usw. steuern.

 

Alle diese Moleküle haben eines gemeinsam: sie wurden alle von zwei Präkursoren, nämlich den ungesättigten Fettsäuren Omega-3 und Omega-6 abgeleitet.

 

Die Jahre 1990: die klinische Forschung

 

Die Epidemiologie hat die Omega-3-Hypothese ins Leben gerufen, die dann von den klinischen Prüfungen der 90er Jahre endgültig bestätigt wird. Diese Prüfungen  sprechen für die Einbringung von Omega-3-Fettsäuren bei Risikopopulationen für Herzerkrankungen (Burr, Gilbert et al. 1989 (DART); Marchioli, Bomba et al. 1999 (GISSI); de Lorgeril, Salen et al. 1994 und 1999 (Lyon)).

 

Die Jahrtausendwende: die geistige Gesundheit

 

Der Anwendungsbereich der Omega-3-Fettsäuren beschränkt sich längst nicht mehr auf die Herz-Kreislauf-Problematik. Aus Tierversuchen und anschließenden Untersuchungen unterschiedlicher menschlicher Populationen, sowie aus der Untersuchung des Fettsäureprofils des Bluts verschiedener Patienten ergibt sich, dass ein hoher Gehalt an Omega-3-Fettsäuren in den Geweben mit einer geringeren Häufigkeit gewisser Geisteskrankheiten, wie Depressionen, oder neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer in Verbindung steht. Diese Beobachtungen wurden daraufhin in klinischen Prüfungen bestätigt, die die wichtige Rolle der mehrfach ungesättigten Fettsäuren für die Funktion unseres Gehirns hervorheben.